Irene Sturari

Die aktuelle Gemeindeseite - Nummer 10

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Gemeindeseite 10 vom 28. September bis 25. Oktober
Pfr. Matthias Dübendorfer,
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Schöpfung oder Evolution?

Am Erntedankfest freuen wir uns über Gottes gute Schöpfung. Aber wurde der Schöpfungsglaube denn nicht längst durch die Naturwissenschaften widerlegt?

Vor tausend Jahren war die Welt noch in Ordnung. Zumindest, was die Erklärung der Weltentstehung betraf: Bis weit ins Mittelalter hinein bestand zwischen biblischem Glauben und Naturphilosophie kein offensichtlicher Widerspruch. Erst mit der abendländischen Aufklärung und ihrer neuen Art und Weise, die Welt zu untersuchen und zu erklären, wurde die Gültigkeit der biblischen Entstehungsmythen grundsätzlich in Frage gestellt.

Als Reaktion darauf bildeten sich im Christentum Strömungen, die jetzt erst recht an der buchstäblichen Wahrheit der Schöpfungsgeschichte festhalten wollten. Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung steht der biblische Kreationismus, bei dem der wörtliche Glaube an die Schöpfungsgeschichte zum Dreh- und Angelpunkt christlichen Glaubens wird. Spiegelbildlich dazu beharren die Vertreter eines naturalistischen Evolutionismus darauf, dass die Welt durch die Naturwissenschaften hinreichend erklärt sei. Der Glaube an einen Schöpfergott ist für sie bestenfalls überflüssig, wenn nicht gar schädlich und gefährlich.

Stehen sich Schöpfungsglaube und naturwissenschaftliche Erkenntnis also tatsächlich unversöhnlich gegenüber? Überraschenderweise teilen Kreationismus und Evolutionismus eine Grundüberzeugung: Wenn ein Vorgang mit naturwissenschaftlichen Theorien erklärbar sei, dann schliesse dies ein schöpferisches Handeln Gottes aus. Wenn das stimmt, dann sind Schöpfung und Evolution tatsächlich unvereinbar.

Aber ist das wirklich so? Gottes Schöpfungshandeln lässt sich ja nicht nur als einmaliger Akt am Anfang des Universums oder als übernatürliches Eingreifen in den Lauf der Zeit denken, sondern auch als stetiges, kreatives Erschaffen und Erhalten der Welt: Gott als Urheber und Erhalter allen Seins. Schöpfung ist aus dieser Perspektive das kreative Wirklichwerden des potentiell Möglichen in jedem einzelnen Augenblick. Ein solches Schöpfungsverständnis ist durchaus mit einer naturgesetzlichen, evolutionären Entwicklung der Welt vereinbar. Und deshalb soll uns nichts daran hindern, uns als aufgeklärte Menschen des 21. Jahrhunderts über Gottes gute Schöpfung zu freuen!

Pfarrer Matthias Dübendorfer
Bereitgestellt: 28.09.2018     Besuche: 25 Monat 
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