Irene Sturari

Zwingli-Tag "Wie Zwingli heute wirkt"

Leitartikel Zwingli-Tag_Titelbild<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-herrliberg.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>286</div><div class='bid' style='display:none;'>3799</div><div class='usr' style='display:none;'>89</div>

 
Ob und wie der Protestantismus heute noch wirkt, ist heiss umstritten. Am 7. September geht eine international besetzte Tagung dieser Frage in Herrliberg nach: Zwingli-Tag, ausgerichtet von den Kirchgemeinden in Erlenbach und Herrliberg.
 
 
Von Peter Sloterdijk, dem Philosophen mit wachem Geist und spitzer Zunge, stammt ein einprägsamer Satz, nach dem der Protestantismus sich mittlerweile im Abklingbecken der Geschichte befindet. Zwar habe er die Geister seit seinem Erscheinen Anfang des 16. Jahrhunderts über lange Zeiten hinweg gründlich geprägt, nun aber sei er schwach geworden und spiele kaum noch eine Rolle. Und das sei auch gut so, denn vor allem Luther habe ein Denkschema Augustins übernommen, das in eine fanatische und menschenverachtende Haltung den Feinden Gottes gegenüber mündet. Man muss wohl sagen, dass Zwingli und Calvin in dieser Sache nicht weit von Luther entfernt waren. In den Andersgläubigen war für sie der Antichrist am Werk.

Gleichwohl weiss Sloterdijk die Verdienste des Protestantismus zu würdigen: Er habe das Prinzip der Selbstkritik erfunden und erstmals institutionalisiert. Die protestantischen Kirchen sind danach so etwas wie Bildungsanstalten, in denen die Kritik an den Zuständen und an sich selbst eingeübt wird. Der Ist-Zustand wird ständig an einem Ideal gemessen. Wer durch diese Schule gegangen ist, weiss, dass er nicht so ist, wie er sein sollte. Wenn man so will, würde es das uns heute so prägende Prinzip der Selbst- und Weltoptimierung nicht geben und auch kein Qualitätsmanagement, wenn der Protestantismus uns diesen Geist nicht eingehaucht hätte. Wir wären noch immer gefangen in einer mittelalterlich-katholischen Selbstzufriedenheit, in der die Sünde sich ritualisiert beseitigen lässt.

Was also stimmt nun? Ist der Protestantismus erledigt? Oder wirkt Zwinglis Geist in unserer Welt nach? Wir nehmen uns einen Tag lang Zeit, um mit bekannten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Recht, aus der Kirche, aus der Architektur, aus dem Medien- und Kunstbereich und aus dem Filmgeschäft zu diskutieren.
Die Tagung schliesst mit dem "art&act-Gottesdienst", in dessen Zentrum, die Wurstessenkantate von Edward Rushton steht. Gedeutet wird sie von Ulrich Knellwolf.
Programm und Anmeldemöglichkeit unter www.refevents.ch
Bereitgestellt: 15.07.2019     Besuche: 5 heute, 65 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch